www.helgehuber.com

(Landschaftsmodulation)

www.landschaftsbild.net

landscape.usa

„Das Bild schuf ein Maler, das Gedicht ein Dichter. Die Landschaft schuf ein ganzes Volk, und das nicht in dieser oder jener Zeit, sondern durch viele Zeiten hindurch und noch heute. Sie ist eine Komposition, an der immer gearbeitet wird.“

(Martin Schwind, Sinn und Ausdruck der Landschaft)

184 nach geografischen Chronologien in 8 Reihen dicht nebeneinander gesetzte Bilder formen sich zu einem, mittels Beamer projezierten virtuellen Großbild. Einzelaufnahmen im Tag- und Nachtrhythmus variierend, als horizontales Kompositionsmuster, wurden zu einem veränderlichen Farbmosaik zusammen gefügt. 184 Landschaftsaufnahmen zusammengefasst zu einer, das dekorative nicht scheuenden Landschaftsformation.

Die Beschränkung auf eine horizontal komponierte Gliederung, das kennt man aus der Malerei, transportiert zumeist für sich schon das Generalthema des LANDSCHAFTLICHEN. Dazu braucht es zumindest in der Moderne, weder Haus noch Baum, weder Stadt, Land, Fluß. Die Einzelbilder sind auch hier eher belanglos, absichtsvoll unscharf, und das gesamte Bild transportiert auch nicht viel mehr als die schlichte Aneinanderreihung von Einzelteilen.

Schon länger beschäftigt Helge Huber die Frage nach der Verlässlichkeit und Wertigkeit von Bildinformationen. Angefangen als Maler „entdeckte“ er die Entstehung und Flüchtigkeit von Mustern auf Auslegeteppichen, wenn sie mit einem Staubsauger bearbeitet werden. Mit Schablonen seriell aufgebürstete Kitschszenen durften vom Ausstellungsbesucher durch BETRETEN, oder in der Wandversion durch BERÜHREN wieder zerstört werden.

Auch bei seinen Internetlandschaften sind die Bilder im Detail flüchtig, verändern sich mit den Schwenks der Kameras, werden automatisch ausgewechselt, oder stellen z.B. nachts ihre Funktion ein. Daher hat dieses projezierte Bild zu dem gemalten oder fotografierten Landschaftsbild einen höchst wesentlichen Unterschied, es kennt nicht den Moment des Beendens des Werkes. Natürlich lässt sich durch Abschalten der Technik „der Spaß“ beenden, doch wieviel reizvoller dürfte es sein, das Bild dauerhaft zu betrachten und sich daran zu erfreuen, dass seine Farbigkeit, beeinflusst von fernen Sonnenständen oder Laternenschein, unablässig veränderlich ist.

Zeitgleich

Visualisierter Zeitvergleich von
verschiedenen geografischen Räumen

www.landschaftsbild.net

Unverständlich verzerrte horizontale Streifenbündelungen unterschiedlicher Farbigkeit tun sich auf, wenn man im Internet unter www.helgehuber.com „adaptive Landschaften“ anklickt, „landscape.usa, landscape.europa, landscape.asia“...... wo ist die Landschaft ?

Mit ein paar mouseclicks lassen sich aus den Streifenbändern Bilder öffnen, „Aug.12,2001, 1:57 AM PDT, Yesler way“ und die auf dem Freeway stationär fixierte Kamera zeigt die momentane Situation vor Ort, einen carcrash, Polizisten, Polizeifahrzeuge mit Blaulicht, die typische Szenerie.... nächstes Bild (auch Nachtaufnahmen): „Waxmuseum, San Francisco, Fisherman's Wharf, Aug 12,2001, 1:58 AM PDT“, „San Diego Airport“, „California Beach“ usw., insgesamt neunmal lassen sich Bilder aus den USA abrufen. Nur ein leuchtend blaues Band meldet: „out of service“.

Hbf Hannover
20 - 25 März 2001

Der Service kommt von tausenden Kameras, sogenannten web-cams, die in Nordamerika, aber zunehmend auch in anderen Ländern, zumeist rund um die Uhr, Bilder von Gebäuden, Brücken, Straßen, Verkehrskreuzungen, Hafen- oder Industrieanlagen usw. aussenden, und erstaunlicherweise über das Internet abgerufen werden können. Diesen Umstand nutzt Helge Huber und entwickelte aus diesen, in nächtelangen Internetverbin-dungen abgespeicherten Bilderfluten, seine „adaptiven Landschaften“.

Dabei lassen sich gewisse Ähnlichkeiten zu den manieristischen Perspektivanamorphosen des 16.Jahrhunderts feststellen, in denen Porträts oder andere Darstellungen durch extreme Verzerrungen zu amorph wirkenden Linien- und Flächenformationen verschlüsselt wurden, und dem verwirrten Betrachter eine Landschaftsdarstellung vortäuschten. Auch hier wurde auf spielerische Weise manipuliert. Erst wenn der Betrachter den richtigen Standort einnahm kam er in den Genuß, die versteckte Botschaften des Bildes lesen zu können. Die frontale Betrachtung der verwirrend detaillierten Internetbilder von Helge Huber gibt auch nur einen Teil des im Bild Dargestellten frei. Denn die Gleichzeitigkeit der periodisch aktualisierten Bilder übertrifft in ihrer Bedeutung den Informationswert des abgebildeten Bildeinzelteils. Auch sie fordern den aktiven Rezipienten, er muss zwar nicht den Standort wechseln, kann aber mit der mouse das ganze Geheimnis ergründen.

Helge Huber ist ein nachdenklicher, schon immer professionell arbeitender junger Künstler. Im Zeitalter visueller Überflutung und der Manipulierbarkeit von Bildern, als Künstler über den Wert von Bildern nachzudenken, es zum zentralen Thema der Arbeit zu wählen, ist konsequent und macht die Ernsthaftigkeit seines künstlerischen Weges deutlich.

Peter Tuma

 

deutschlandreise

bilder
einer
landschaftsexkursion
durch
sechzehn
bundesländer

Virtuelles Fotoalbum einer utopischen Landschaftsreise oder experimentelle Reise in der virtuellen Realität. Ist der Abgebildete der Reisende, oder ist es der Betrachter, der sich durch die einzelnen Bundesländer clicken kann?

Zu sehen ist immer die gleiche Person, die sich scheinbar beliebig durch die virtuelle Republik bewegt, und auf ihren jeweiligen Stationen beobachtet werden kann. Eine Reise in der Realität der Pixel, der elektronischen Bildelemente.

Welche Realität bieten Cyberwelten?
Wieweit sind wir bereit von unserer vermeintlichen Realitätswahrnehmung, wenn auch nur für kurze Augenblicke, abzurücken?

Die Arbeit bietet dem Betrachter die Möglichkeit den Abgebildeten bei seinen Exkursionen zu begleiten. Mittels Web-Cams, die Momentaufnahmen von Landschaften quer durch die Republik liefern, entstehen 16 Reisebilder, die sich stetig verändern und den Künstler bei seinen Streifzügen zeigen.

Wir können ihn Tag und Nacht beobachten. Selbst für uns ist es eine Reise, wenn wir beispielsweise mittels Mausclick die verzerrten Aufnahmen entzerren (bei Windows rechte Maustaste drücken und Grafik anzeigen wählen), und so die mehr oder weniger aktuellen Landschaftsbilder im „Original“ übers Internet geliefert bekommen.

Jörg Müller